Theologie auf dem Flohmarkt

Einmal im Jahr verwandelt sich die Innenstadt in einen Flohmarkt, der Parkplatz in einen Rummel, Schlossinnenhof und Reithof laden zum Verweilen und Tanzen ein – es ist Schlossfest in Aulendorf.

Ich liebe das Schlossfest, als Kind war ich immer ganz aufgeregt, wenn ich zusammen mit meinen Geschwistern ganz früh aufgestanden bin, um unseren Flohmarktstand aufzubauen. Das verdiente Geld haben wir abends gleich auf dem Rummel ausgegeben, um Boxauto und Riesenrad zu fahren. 

Als Jugendliche traf ich mich mit Freundinnen zum Feiern. Bevor wir gemeinsam auf das Fest sind, waren wir am Samstagabend im Gottesdienst. Der Glaube und das Ministrieren hat uns verbunden, gemeinsam Gottesdienst zu feiern, bevor wir auf das Schlossfest gegangen sind, war für uns etwas Besonderes. Der Trubel auf den Straßen drang in den Kirchenraum, am besten hat es mir gefallen, wenn während des Gottesdienstes die Kirchentür offenstand. Denn dadurch Drang noch mehr vom Schlossfest in die Kirche ein – Aggiornamento. 

Es gibt eine berühmte Anekdote um Papst Johannes XXIII und dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Auf die Frage nach seinen Absichten mit dem Konzil soll er das Fenster geöffnet haben und „aggiornamento“, also „frischen Wind“ geantwortet haben. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche den Dualismus zur Welt durchbrochen. Es geht um keine Gegenüberstellung von Kirche zur Welt und Menschen, es geht um ein In-der-Welt-Sein der Kirche. 

Die Fenster öffnen, die schwere Kirchentür öffnen, um von Gott reden zu können: die Welt, das Leben der Menschen, das Leben auf den Straßen, all das muss etwas mit Theologie zu tun haben. 

Ich erinnere mich gerne an ein Gespräch über Papst Franziskus, das ich auf dem Schlossfest geführt habe. Zwischen Musik und Trubel entstand ein intensives Gespräch, über den Glauben, über Freundschaften, über Zweifel – eben Theologie auf dem Schlossfest.