Gedanken zum Evangelium des 4. Fastensonntags: (Sonntag „Laetare“- Freue dich)

„Die Heilung des Blindgeborenen“ (Joh 9,1-41) Jesus begegnet einem Blinden. Er lehnt Spekulationen über eine Verursachung dieses Leids durch irgendwelche Sünden – weder vom Blinden selbst noch von seinen Eltern – ab. Er sieht vielmehr für sich selbst jetzt den Auftrag Gottes, dem Mann das Augenlicht zu geben und sich dadurch als wahres Licht der Welt zu offenbaren. Er weiß sich dazu von Gott gesandt.

Drei verschiedene Reaktionen durch die Beteiligten werden uns vom Evangelisten Johannes vor Augen geführt und gleichzeitig die Frage aufgeworfen: Wo stehe ich? Welcher Seite rechne ich mich zu? – Wer Jesus begegnet, wird zur Entscheidung herausgefordert.

Der Blindgeborene: Er öffnet sich.
Durch Jesus, dem Gesandten, wird dem Blinden das Augenlicht geschenkt und er kann sehen. Dies aber ist Zeichen für etwas Größeres: Jesus ist das Licht der Welt. Allen, die sich dafür öffnen, schenkt er das Leben erhellende Licht des Glaubens.

Die Annahme dieses Glaubenslichtes geschieht in einem Prozess des Wachsens und Sich-Bewährens. Der Geheilte bekennt sich zuerst zur Tat Jesu vor den Leuten (V. 8-12) und wiederholt es mutig vor den Pharisäern (V. 13-17); dann lehnt er eine Verurteilung Jesu wegen einer Übertretung des Sabbatgebots ab (V. 24-26), ja er verspottet die Pharisäer, die „Theologen“ sogar, weil sie nicht erkennen wollen, dass Jesus „von Gott“ sein muss (V. 27-32).

Bei dem Sehend-Gewordenen wächst dagegen die Ahnung über Jesus: zuerst nennt er ihn einfach „Mann, der Jesus heißt“ (V. 11); dann sagt er: „Er ist ein Prophet“ (V. 17), er „tut Gottes Willen“ (V. 31), er muss „von Gott“ sein (V. 33). Diese Einsicht des Mannes hat zur Folge, dass er aus der Synagoge ausgeschlossen wird. Er selbst ist nun vorbereitet, die Selbst­offenbarung Jesu zu empfangen (V. 35-37). Dankbar und glaubend fällt er vor Jesus nieder (V. 38).

Die Pharisäer: Sie verschließen sich.
Die Pharisäer verhören andere: den Geheilten (V. 13-17), die Eltern (V. 18-23). Sie beharren auf der Sabbatheilung (V. 14.16.24), sie verurteilen und stoßen aus (V. 34), weil sie ja alles „wissen“. Würden sie ihre eigene Blindheit zugeben, könnten auch sie durch Jesus zum Sehen finden.

Die Eltern: Sie halten sich heraus.
Die Eltern vermeiden eine Entscheidung. Sie hatten eine ähnliche Glaubenschance wie ihr Sohn (V. 21), aber sie ergreifen sie nicht. Sie vermeiden jede Stellungnahme über Jesus aus Furcht vor der Konsequenz, dem Ausschluss aus der Synagoge (V. 22).

Die Gemeinde, der dieses Evangelium vor Augen gestellt wird:
Die johanneische Gemeinde sah sich um das Jahr 90 nach Christus (Entstehungszeit des Johannes-Evangeliums) konfrontiert mit einem Ausschluss aus der Synagoge durch die Pharisäer. Auf diesem Hintergrund liest sich diese Erzählung wie eine Predigt:

  • Uns ging es wie dem Blindgeborenen: Jedem von uns ist Jesus begegnet, und dabei ist ER uns als Licht aufgegangen. Unser Glaube ist langsam gewachsen. Wir haben Anfeindungen hin­nehmen müssen, sind verhört und ausgestoßen worden und haben gerade so tiefer entdeckt, wer Jesus für uns ist …
  • Viele unserer Bekannten oder Verwandten verhielten sich wie die „Eltern“: Sie brachten den Mut nicht auf …
  • Die Pharisäer argumentieren und agieren nach wie vor gegen uns. Reagieren wir wie der Blindgeborene: mutig und furchtlos! Lassen wir uns durch das Sabbat-Gesetz nicht verunsichern. Im Gegenteil: Bei ihnen ist zu befürchten, dass sie nicht sehen wollen und dass deshalb ihre Blindheit Sünde geworden ist …
  • Wir sind dankbar wie der Blindgeborene, freuen uns über das Geschenk des Lichtes. Wir fallen vor IHM, unserem Licht, nieder …

Es bleibt die Frage an jeden und jede einzelne von uns: Wo platziere ich mich?

                        „Laetare“ = Freue dich!