Pfingsten 2019

Spring in das lebendige Wasser

Pfarrbriefservice.de

Vor ein paar Tagen habe ich Oberstufenschüler, die bald ihr Abitur haben werden, folgende Frage gestellt: „Worin wird euer Glück in den nächsten Jahren bestehen? Was genau wird euch glücklich machen?“ 

Die Antworten waren vielseitig: „Ein Beruf, der Freude macht, gute Freunde, den Partner fürs Leben finden, eine eigene Familie gründen, ein super Verdienst, ein gewisser Lebensstandard, usw.“ Zwei Schüler sagten darauf: „Den Sinn meines Leben zu erkennen“ und „zu wissen, wie es nach dem Tod weitergehen wird.“

Ich sagte zu Ihnen: „Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für euch.
Die schlechte Nachricht:
Du wirst niemals dein ganzes Glück allein in weltlichen Dingen finden können. Keine Frage, all diese genannten Dinge sind wertvoll und wichtig. Doch die letztlich umfassende Erfüllung, das volle Glück, können sie dir nicht bringen. Man befrage dazu nur einmal ein Ehepaar mit ein paar Jahren Eheerfahrung... Das umfassende Glück kann der Partner nicht schenken. Sicherlich teilweise, aber schwerlich umfassend. Das wäre die blanke Überforderung.“ Und ich fügte hinzu:

„Die gute Nachricht aber ist:
Jesus hat uns den Weg zu dem Glück und den Frieden gezeigt, der dein Herz wirklich erfüllen kann!“

Zwei Schüler hatten mit ihren Antworten genau diese Art von Glück in den Blick genommen. Jesus selbst ist der Weg zu diesem Frieden, der nirgendwoanders zu finden ist. Das gesamte Johannesevangelium ist eine Einladung Jesu an dich, liebe Leserin, lieber Leser, am glückseligen Leben der heiligsten Dreifaltigkeit teilzuhaben. Es ist ein Platz am Tisch frei. Und dieser Platz gehört dir allein. Er ist für dich bestimmt. Vater, Sohn und Heiliger Geist haben schon an diesem Tisch Platz genommen und warten sehnsüchtig darauf, dass du zu Ihnen kommst. Jesus sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen... Und wenn ich hingehe, um für euch eine Wohnung zu bereiten, werde ich euch zu mir nehmen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ (vgl. Joh 14). Jesus, der Vater und der Heilige Geist möchten mit jedem Menschen ihr Leben teilen. So ist Gott.

Wo liegt nun das Problem, warum so viele Menschen das Glück woanders suchen. Dazu eine kleine Geschichte:

Vor vielen Jahren war eine Gruppe von Fischen aus dem Meer ausgewandert, um ihr Glück auf dem Land zu versuchen. Mit der Zeit verloren sie die Erinnerung an ihr früheres wunderbares Leben im Meer. Immer mehr Fische kamen nach. Sie fristeten ein hartes und schweres Dasein am Land. Da sie es aber nicht anders kannten, glaubten sie, dass dies normal sei. Dass es auch Fische im Wasser geben sollte, hielten die meisten für unnützes Geschwätz und für ein Märchen. Unter vielen Anstrengungen bauten sie sich eine eigene Welt auf und waren sehr stolz darauf, obwohl es ihnen Tag für Tag an Sauerstoff fehlte. Aber sogar das sah die Mehrheit als normal an, denn sie kannten es nicht anders.

Eines Tages kam ein Fisch aus dem Meer bei ihnen vorbei. Er erzählte ihnen voll Begeisterung, von seinem wunderbaren Leben im Wasser. Doch die Fische am Land wollten davon nichts hören. Solche Blödsinnigkeiten sollten ihre eigene Welt nicht einfach kaputt machen So verstießen sie den Fisch. Ein paar der Landfische entschieden sich aber anders. Elektrisiert von der Schönheit der Botschaft und mit einem Herzen voll Sehnsucht nach dem Meer, machten sie sich schließlich auf dem Weg...

Was will diese Geschichte zum Ausdruck bringen: Der Mensch, der in keiner lebendigen Beziehung zu Gott lebt, gleicht einem Fisch am Land.  Die Zeichen einer schwerwiegenden „gesellschaftlichen Atemnot“ heutzutage sind überall erkennbar: Einsamkeit, Depression, Leere, Lieblosigkeit, Stress, Friedlosigkeit und Angst.

Das Leben mit Gott aber gleicht einem Fisch im Wasser, „denn in IHM leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (vgl. Apg 17,28). Die Sendung des Heiligen Geistes besteht darin, uns an alles zu erinnern, was Jesus uns gesagt hat (vgl. Joh 14, 26). Anders gesagt, den Landfischen in Erinnerung zu rufen, dass es für sie ein viel besseres und schöneres Leben gibt. Das Leben im Meer. Jeden Augenblick aus der Fülle Gottes zu leben und sich jedem Atemzug von Ihm schenken zu lassen.

Der Heilige Geist will die Sehnsucht nach dem lebendigen Wasser wieder neu im Menschen entfachen.

Wie hoffe ich, dass diese großartige Botschaft des Evangeliums die Herzen meiner Schüler und das Herz eines jeden Menschen, das noch nach Luft ringt, erreicht und begeistert. Wie hoffe ich, dass der Heilige Geist die Sehnsucht nach MEHR neu entfacht, die in jedem Herzen schlummert.

Helmut Rosensteiner